Die Künstlerin Claudette Ebnoether präsentierte im vergangenen Jahr eine Zwischenbilanz ihres langjährigen Projekts Tannenstrasse. Seit der Studienzeit stand ihr Vater im Zentrum ihrer fotografischen Arbeiten: als Modell, als Gegenüber und als künstlerischer Weggefährte bis ans Ende seines Lebens. Im Kulturhaus Gewürzmühle wurde mit Fotografien, Assemblagen und poetischen Objekten ihr letztes gemeinsames Projekt sichtbar – ein Werk, das aus einer ebenso liebevollen wie schelmischen Beziehung hervorgegangen ist.
Nun erweitert Claudette Ebnoether dieses künstlerische Universum aus ihrem Atelier, dem Holzhaus, in den Parkraum der Gewürzmühle, und füllt es mit neuen, bislang ungesehenen Inhalten. Im Zentrum steht das Kunstmobil Utopia Rapido, das als Installation in Garten der Gewürzmühle stationiert ist. In seinem Inneren finden sich Farben, Malutensilien und Monitore, auf denen Videos aus dem Zyklus Tannenstrasse gezeigt werden. Parallel dazu sind auch zahlreiche kleine Tagebuchskizzen der Künstlerin zu sehen. Denn anstelle von geschriebenem Text hält Claudette Ebnoether ihre Gedanken in Bildern fest – spontan, fragmentarisch und unmittelbar.
Aus diesen zeichnerischen und malerischen Notaten entwickelt die Künstlerin ein riesiges Bild auf Leinwand. Es ist auf der Aussenwand des Kunstmobils Utopia Rapido montiert und wird während der ganzen Ausstellungsdauer fortlaufend von der Künstlerin bemalt. So entsteht ein neues, stetig wachsendes Kunstwerk.
Der Titel Utopia Rapido ist eine freie Wortschöpfung: Utopia verweist auf die Sehnsucht nach einer besseren Welt, auf Hoffnung und Vorstellungskraft; Rapido steht für die unmittelbare Umsetzung, für Bewegung und Gegenwart. So beschreibt der Begriff keinen festen Ort, sondern einen Zustand – einen flüchtigen Moment, in dem Vision, Erinnerung und künstlerische Handlung ineinanderfliessen..